Willkommen in unserem digitalen Archiv. Hier veröffentlicht Ariana für die Moorrübe ihre persönlichen Newsletter, Kundenbriefe und Magazine – weit abseits von flüchtigen Werbebotschaften.

In einer Welt, die oft laut und oberflächlich ist, verstehen wir diese Seite als ein Manifest für den bewussten Konsum. Hier liest du, warum „weniger“ für uns eigentlich „mehr“ Zukunft bedeutet und warum wir uns konsequent gegen das „Immer-Mehr“ und für die Ehrlichkeit des Handwerks entschieden haben.

 

Wir laden dich ein, in unseren Texten zu stöbern: Erfahre mehr über die Menschen und die Expertise hinter unseren Produkten. Lies, wie wir die Spielregeln des regionalen Handels gemeinsam neu definieren. Entdecke, warum jeder Einkauf bei uns ein Stimmzettel für eine lebendige Dorfgemeinschaft ist.

NEWSLETTER UND KUNDENBRIEFE

Im letzten Frühjahr-Extrablatt ging es um die Frage, die viele Menschen bewegt hat: Warum eigentlich weniger? Ich habe erklärt, warum wir die Moorrübe auf drei Öffnungstage konzentriert haben – nicht aus Mangel an Leidenschaft, sondern um diesen wunderbaren Ort in Zeiten von Personalmangel und Kostensteigerungen für uns alle zu erhalten.

 

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön – fürs Lesen, fürs Verständnis, für die guten Gespräche darüber und eure persönlichen Antworten. Das war überwältigend. Viele Menschen haben verstanden, dass unsere Neuausrichtung ein Schritt war, um die Moorrübe zu sichern.

Heute zeigt uns das Leben wieder, wie kostbar und gleichzeitig verletzlich diese handwerklichen Strukturen sind. Diesmal mit einer Nachricht, die uns im Team sehr bewegt.

 

Es geht um unsere langjährige Traditionsbackstube Brotstern aus Bremervörde: Nach 35 Jahren voller Herzblut, in denen die Gründerin Martina Tamke den Betrieb aus dem Nichts aufgebaut hat, wird sie die Backstube Ende August 2026 schließen.

 

Warum? Weil das traditionelle Bäckerhandwerk vor sehr großen Herausforderungen steht und weil es kaum noch Menschen gibt, die zu diesen Zeiten arbeiten möchten.

Und weil am Ende ein einziges, im Grunde wunderschönes Ereignis – die Schwangerschaft einer Bäckerin – ein ohnehin sehr fragiles, am Limit laufendes System aus dem Gleichgewicht bringt, weil absolut kein Ersatz zu finden ist. Martina steht nun mit 66 Jahren wieder selbst viele Stunden in der Backstube. Ein Nachfolger, der diese Art der Selbstständigkeit übernehmen möchte, ist weit und breit nicht in Sicht.

 

Die Zeiten für so kleine Betriebe wie die Brotstern GmbH sind wohl vorbei.”

– Martina Tamke, Brotstern

 

Wenn wir das lesen, möchten wir nicht einfach nur traurig den Kopf schütteln. Wir möchten hinschauen, es sichtbar machen und gemeinsam umdenken.

 

Den Raum bewahren – wir halten den Stimmzettel in der Hand

 

Als wir die Moorrübe auf drei Tage konzentriert haben, taten wir das, weil auch wir mitten in einem schönen Baby-Boom steckten und die personellen Lücken so schnell nicht schließen konnten.

Wir haben mit den neuen Öffnungszeiten einen Schutzraum für die Moorrübe geschaffen, um die Substanz unseres Ladens zu bewahren. Wir haben uns für das „Schöne und Wahre“ entschieden, statt uns in der Illusion einer permanenten Verfügbarkeit zu erschöpfen.

 

Kleine, inhabergeführte Betriebe und echtes Handwerk verschwinden nicht, weil die Produkte schlecht sind. Brotstern backt fantastisches Brot aus regionalem Bioland-Getreide direkt von hier. Sie weichen oft nur zurück, weil unsere modernen Gewohnheiten, die auf maximale Bequemlichkeit und Discounter-Preise ausgerichtet sind, dem Echten immer weniger Raum lassen.

 

Jeder Schritt, den wir in der Moorrübe gehen, ist unser klares Ja zu einem lebendigen Gegenentwurf. Wenn wir wollen, dass Orte wie der unsere und Produkte wie das handwerkliche Brot morgen noch unseren Alltag bereichern, dürfen wir unsere Gewohnheiten wieder mehr an die Kapazitäten des echten Handwerks anpassen – und nicht umgekehrt.

Wertschätzung bis zum Schluss: Unser gemeinsamer Auftrag

 

Martina Tamke hat uns gebeten, bis zum letzten Tag im August an ihrer Seite zu bleiben, damit sie den Betrieb ordentlich abwickeln kann.

 

Und genau das werden wir tun.

 

Bis Ende August wird es bei uns in der Moorrübe weiterhin das wunderbare Brot vom Brotstern geben. Lasst uns die verbleibenden Wochen nutzen, um Martina und ihrem Team mit Wertschätzung, Stolz und vollen Kassen zu verabschieden. Kauft das Brot, kauft die Augustendorfer und genießt mit dem Bewusstsein, was für ein wertvolles Gut echtes Handwerk ist.

 

Und wie geht es danach weiter? Seid unbesorgt: Wir sind bereits mit neuen Bio Backstuben im Gespräch.

Aber heute gilt unsere ganze Aufmerksamkeit und Solidarität der Backstube Brotstern. Danke, dass ihr an unserer Seite steht – als Kunden, als Mitdenker und als aktiver Gestalter einer lebendigen, bewussten Gemeinschaft.

BROTSTERN LIEBLINGE

Bestellt immer bis Mittwoch 11 Uhr telefonisch, im Laden oder per E-Mail an mail@moorruebe.de. Das Brot wird dann am Freitag geliefert.

https://www.brotstern.de/komplettsortiment

Ein persönliches Nachwort: Von Herzen Danke!

 

Wenn ich heute diese Zeilen schreibe, blicke ich mit einer ganz tiefen Demut auf die letzten Monate zurück. Als wir im Dezember letzten Jahres den großen Umbruch wagten und die Moorrübe komplett neu ausrichteten, war mein Herz schwer vor Sorge um diesen Ort.

 

Doch inmitten all der Ungewissheit war da große Entschlossenheit. Es ging darum, dass die Moorrübe ihre Wahrheit lebt – auch wenn alle im Außen skeptisch waren, schlicht dagegen waren oder uns sogar schlimme Dinge androhten.

 

Rückblickend weiß ich: Das war mein ganz persönlicher „Paula-Moment“. Ein Moment, in dem man tief im Inneren spürt, was richtig ist und bedingungslos dafür losgeht.

 

Wir wussten damals nicht, ob wir es wirtschaftlich vielleicht nur bis zum Februar schaffen würden – aber wir mussten es einfach wagen.

 

Nach mittlerweile 10 Jahren Moorrüben-Geschäftsführung darf ich heute etwas aussprechen, das mich zu Freudentränen rührt:

Die Moorrübe ist zum allerersten Mal in ihrer Geschichte „gesund“.

 

Damit meine ich nicht, dass wir hier plötzlich große Reichtümer anhäufen. Gesund bedeutet für uns etwas viel Wertvolleres: Zum ersten Mal stehen unser täglicher Input und der wirtschaftliche Output in einem fairen, ausgewogenen Verhältnis. Zum ersten Mal kratzen wir nicht mehr am Existenz-Minimum. Wir erschöpfen und verlieren uns nicht mehr im „Immer-Mehr“, wir nähren diesen Ort.

 

Die Geschichte der Backstube Brotstern zeigt uns, wie schmal der Grat im Handwerk ist. Aber unsere eigene Geschichte zeigt eben auch: Der Mut, der eigenen Wahrheit zu folgen, wird belohnt. Es lohnt sich, neue Wege zu gehen, um das zu beschützen, was uns wirklich wichtig ist.

 

Danke, dass ihr diesen Weg mit uns geht und die Moorrübe tragt. Ihr habt uns geholfen, diesen Raum zu bewahren – und jetzt gestalten wir gemeinsam eine gesunde Zukunft.

 

Alles Liebe,

Ariana Skuppe

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Kundinnen der Moorrübe,

vier Monate ist es her, seit wir den Umbruch gewagt haben. Wenn ich heute durch unsere schöne Markthalle gehe, erfüllt mich dieser Ort mit tiefem Stolz. Euer Feedback ist überwältigend: Ihr liebt die neue Atmosphäre, die Klarheit im Sortiment und die Momente, in denen wir gemeinsam Neues probieren. Danke dafür! Das zeigt uns, dass schöne Orte, Qualität und echte Begegnung genau das sind, wonach sich viele Menschen sehnen.

Doch wir hören auch andere Stimmen. Stimmen, die fragen: „Warum nur drei Tage? Warum nicht mehr? Wann macht ihr wieder richtig auf?“

Heute möchte ich mit diesen Fragen „aufräumen“. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit Offenheit. Denn wenn wir wollen, dass Orte wie die Moorrübe überleben, müssen wir die Spielregeln gemeinsam neu definieren.

Die Falle der ständigen Verfügbarkeit

Wir leben in einer Welt, die uns beigebracht hat, dass alles immer und überall verfügbar sein muss. Doch genau diese Gewohnheit einer lückenlosen Verfügbarkeit hat kleine, inhabergeführte Läden weltweit in die Knie gezwungen. Oft ging es dabei gar nicht um einen Mehrbedarf an Lebensmitteln, sondern um die Bequemlichkeit.

Fakt ist: Ein kleiner Laden kann die Öffnungszeiten und die Masse an Produkten eines Discounters weder personell noch finanziell leisten, ohne seine Seele zu verlieren. Wir haben uns bewusst gegen das „Immer-Mehr“ und für das „Schöne und Wahre“ entschieden.

Hinter den Kulissen: Leben & Expertise

Vielleicht habt ihr es bemerkt: In unserem Team gab es einen wunderbaren „Baby-Boom“. Viele unserer Mitarbeiterinnen haben in den letzten Monaten ihre Kinder zur Welt gebracht. Das ist pures Leben – aber es bedeutet für uns aktuell auch eine enorme personelle Lücke.

Menschen für die Moorrübe findet man nicht „einfach so“. Wer bei uns arbeitet, braucht weit mehr als eine Einweisung an der Kasse. Ihr erwartet von uns – völlig zu Recht –, dass wir den Unterschied zwischen Demeter-Avocados und herkömmlicher Ware kennen, dass wir wissen, wie man Deichkäse kombiniert oder welches Mehl unser Brot so besonders macht. Diese intensive Beratung braucht Zeit, Herzblut und Menschen, die bereit sind, sich dieses tiefe Wissen anzueignen.

Drei Tage sind ein Versprechen, kein Mangel

Viele sagen, drei Tage seien zu wenig. Wir sagen mit tiefer Dankbarkeit: Wir sind froh, dass es überhaupt noch drei Tage sind. Trotz der hohen finanziellen Belastung und der Herausforderung, Menschen zu finden, die unsere Vision teilen, halten wir die Stellung. Aber wir können das nicht allein. Ein Laden wie die Moorrübe ist kein Selbstläufer – er ist eine bewusste Entscheidung der Gemeinschaft in einem System, in dem es für Orte wie unseren eigentlich keinen Platz mehr gibt.

Ihr seid mitverantwortlich. Jeder Einkauf an diesen drei Tagen ist ein Stimmzettel für den Erhalt unserer Dorfgemeinschaft, für echte regionale Wertschöpfung und dafür, dass Individualität in Worpswede ein lebendiger Teil unseres Alltags bleibt. Wenn wir wollen, dass solche Orte morgen noch existieren, müssen wir lernen, unseren Bedarf an die Kapazitäten des echten Handwerks und Services anzupassen – nicht umgekehrt.

Unser Ziel: Gemeinsam wachsen

Wir wollen wieder mehr öffnen. Das ist unser Herzenswunsch! Aber wir tun es erst dann, wenn wir die Qualität und die Beratung garantieren können, die ihr verdient – und wenn die wirtschaftliche Situation des Unternehmens es zulässt. Bis dahin feiern wir die drei Tage, an denen die Moorrübe leuchtet, als das, was sie sind: Ein Geschenk an die Sinne und ein Manifest für den bewussten Konsum.

Danke, dass ihr an unserer Seite seid – nicht nur als Kunden, sondern als Förderer einer lebendigen Idee.

Alles Liebe aus der Moorrübe,

Ariana

MOORRÜBE MAGAZIN | AUSGABE 11/25